So in Geda(e)nken …

One day you’ll leave this world behind .
So live a life you will remember….

Dieses Jahr bin ich ein wenig schreibfaul. Soweit ich sehen kann, habe ich meine Bloggersoftware dieses Jahr lediglich ein einziges Mal geöffnet, um etwas in die Tasten zu zwirbeln. Und das ist auch schon wieder Monate her. Dabei ist mir, als sei es gestern gewesen.

Vieles ist, als sei es gestern gewesen. Aviciis Tod beispielweise. Ja, das ist mir damals richtig an die Nieren gegangen. Ein großer Fan war ich nicht, aber seine Musik fand/finde ich großartig. Avicii war ein Genie. Und ein großer Philanthroph, ein Mensch, von denen es weitaus mehr auf dieser Welt geben sollte.

„Als ich anfing, richtig Geld zu verdienen, habe ich gemerkt, dass ich es eigentlich gar nicht wirklich brauche. Wenn du so einen Berg an Kohle hast, die du nicht brauchst, dann ist das Vernünftigste, Menschlichste und Offensichtlichste, es einfach Menschen zu geben, die es wirklich brauchen.“ (Avicii)

Ich hatte mir damals auf Netflix “True Story” angesehen und war entsetzt, wie dieser junge Mensch nach seinem selbstgewählten  Abschied von der Bühne vom geldgeilen Manager drangsaliert wurde, doch weiterzumachen, obwohl offensichtlich war, wie schlecht es ihm ging. Diese brutale, menschenverachtende Maschinerie der Musikindustrie, die nicht den Mensch sondern lediglich den Geldesel in seinen Künstlern sieht. Manchmal frage ich mich, ob man da noch mit gutem Gewissen Musik hören kann. Ich fand Aviciis Entscheidung damals stark und richtig. Viele haben dieses riesen Geschäft nicht an den Nagel gehängt, obwohl es das Vernünftigste gewesen wäre. Amy Winehouse, Michael Jackson, Kurt Cobain, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Sid Vicious, Brian Jones, Chester Bennington, Falco, Whitney Houston und und und … Live fast, die young.“  Mich macht das traurig.

Was mich noch traurig macht, ist die Sache mit der Kathedrale Notre Dame de Paris. Auch wenn manch ein Franzose mich für meine Meinung am liebsten lynchen würde, aber das Gebäude kümmert mich herzlich wenig. Dinge sind vergänglich. Was mich traurig macht, ist, dass Menschen tatsächlich in der Lage sind, in kürzester Zeit knapp eine Milliarde Euro zu spenden, um ein Bauwerk wieder zu errichten, obwohl auf dieser Welt täglich 15.000 Kinder unter fünf Jahren an Hunger sterben.  In der Woche sind das 105.000, in einem Monat etwa 450.000 und in einem Jahr 5.475.000 Kinder. Die Zahlen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und wir spenden eine Milliarde Euro für eine Kathedrale innerhalb von 5 Tagen. Das macht mich sprachlos. Absolut sprachlos. Wo setzten wir Menschen unsere Prioritäten? Wo ist unsere Humanität geblieben, dass wir es als wichtig erachten, ein 674 Jahre altes Gebäude wieder aufzubauen, anstatt Kinder zu füttern, die verdammt nochmal ein Recht auf ihr Essen haben? Wir haben keine Skrupel! Gucci lässt durch chinesische Arbeiter in italienischen Fabriken unter widrigsten Umständen  seine teuren Kollektionen anfertigen, um mehr Profit rauszuschlagen und liefert sich jetzt mit Louis Vuitton ein öffentliches Spenden-Battle, wer die höchste Spende für eine Kathedrale lockermacht. Wie selbstlos. Bessere Werbung kann man wohl nicht für sein Unternehmen machen. Wäre das Geld in hungrigen Mäulern gelandet, wäre die Publicity wahrscheinlich nicht so großzügig ausgefallen. Sich um das wahre Elend auf dieser Welt zu kümmern, ist halt nicht chic. Ist ja auch irgendwie obskur, für seine teuren Produkte arme Chinesen auszunutzen und auf der anderen Seite so zu tun, als habe man ein Auge für das Elend der Welt.

Im Übrigen haben sich Menschen aus aller Welt um die drei Bienenstöcke auf dem Dach des Sakristei gesorgt und besorgt den Imker kontaktiert. Und die Freude war groß, als festgestellt wurde, dass die Bienen leben. In der Zeit, in der Frankreichs ältestes  Symbol, das Wahrzeichen des Christentums brannte, sind etwa 7500 Kinder an Hunger gestorben. Unsere christliche Nächstenliebe sorgt sich eben um Bauerwerke und Bienen. Was sind dagegen schon über fünfeinhalb Millionen tote Kinder Jahr für Jahr… „Live fast, die young.“ Manches kann man eben nur mit Sarkasmus betrachten.

 

6 Gedanken zu “So in Geda(e)nken …

  1. Was du über Notre Dame sagst, habe ich auch gedacht.
    Jeden Tag ersaufen Menschen im Mittelmeer oder irren auf einem Rettungsdämpfer herum, der nirgends anlegen darf. Eine Schande für Europa! Eine Schande für die Menschheit. Aber für den Wiederaufbau einer demolierten Kirche schüttelt man so eben eine Milliarde aus dem Ärmel.
    Zum einen die Gelbwestenproteste, und zum anderen Timber Nationalismus gepaart mit muffiger Religiosität… die Franzosen, ich muss sie nicht verstehen.

    Gefällt 1 Person

  2. Die Autokorrektur hat mich mal in Bedrängnis gebracht, weil sie selbstständig etwas vervollständigte, das beim Gegenüber eher nicht so prall ankam 😁

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s