Saturdays for future

oder wie ein Wochentag ein Phänomen auslöst…

Eines vorweg: Ich finde es großartig, wie die Schwedin Greta Thunberg sich für den Klimaschutz stark macht und was sie auf die Beine gestellt hat, um ihr Anliegen öffentlich zu machen. Was aber letztendlich aus diesem Fridays for Future geworden ist, erinnert mich doch eher an Influencer Events, auf denen kreischende Teenager ihren Idolen quietschend ihre Sympathie entgegenkreischen und zu unfassbar überzogenen Preisen Duschschaum und T-Shirts erstehen. Dieser Herdentrieb zeigt manchmal ungeahnte Auswüchse. Da nimmt Kevin nun schon den x-ten Freitag an der Fridays for Future-Demo teil. Das Erste, was er macht, ist ein Selfie in der Masse, das dann ohne Umschweife auf Instagram unter dem Hashtag #fridaysforfuture landet. Im günstigsten Fall bringt das paar Likes mehr als gewohnt. Man war dabei, und Dabeisein ist ja bekanntlich alles. Kurz vor der Demo war er bei McDonalds noch schnell was futtern. Klar, bisschen Müll gegessen und noch mehr produziert, aber das macht Kevin generell zwei- bis dreimal die Woche. Man gewöhnt sich ja schnell an alles. Noch schnell einen Coffee to go auf die Hand, der eine Becher mehr Plastikmüll wird die Welt jetzt auch nicht untergehen lassen. Und ab zur Demo.

Kevin trägt Puma Schuhe, hergestellt in Taiwan von Kindern zu absoluten Billiglöhnen. Auf die Frage, ob Kevin die Schuhe gegen ein paar Ökolatschen aus Deutschland (regional hergestellt aus regionalen Rohstoffen zu regionalen Löhnen) eintauschen würde, zeigt er einem entsetzt den Vogel. Auch sein Adidas Shirt und seine Levis Jeans, unter gleichen Bedingungen hergestellt, sind ihm heilig. Da hörts mit dem Klimaschutz dann aber mal auf. Fleisch? Mindestens dreimal die Woche, wenn nicht sogar häufiger. Auf den Hinweis, dass es doch schon mal ein guter Ansatz bei sich selber wäre, das Essen von Fleisch auf ein Mal wöchentlich zu reduzieren, findet er jetzt nicht so prickelnd. Schließlich sei er noch im Wachstum und brauche das Eiweiß. Sein schönster Urlaub? Kreuzfahrt mit seinen Eltern. Jedes Jahr. Dieses Mal geht’s mit dem Flieger nach Nassau und von dort aus mit dem Kreuzfahrtschiff durch die Karibik. Man deutet auf sein Plakat: “Act now before it’s too late”. Vielleicht wäre Wandern im Elbsandsteingebirge ja da eine bessere und klimaschonendere Alternative, um die Welt zu retten? Spart ja doch einiges an CO2. Da hält Kevin sich die Hand vor dem Mund und muss lachen. Allerdings vergeht Kevin dann schnell das Lachen, als angekündigt wird, dass die Fridays for Future Demos zukünftig nur noch samstags stattfinden werden, weil man der Meinung ist, dass der Wochentag, an dem man sein Anliegen kundtut, im Grunde völlig egal ist, solange es einem wirklich wichtig ist. Da guckt Kevin wie ein Hörnchen. Ne, samstags, da kann er nie. Da geht er nachmittags Gokart fahren oder zum Cruisen mit dem Moped in den Wald. Und danach hängen sie immer beim Burger King ab oder stürmen KFC.

Wie gesagt, im Grunde finde ich es eine großartige Idee, wenn Kinder und Jugendliche sich zusammentun, um für ihre Zukunft auf die Straße zu gehen. Aber nur ein Bruchteil der Massen sind kleine Greta Thunbergs, auch wenn sie gerne alle so tun. Wenn eben nichts hängenbleibt und selber kein Umdenken stattfindet (und das werden diese Demos kaum bewirken), bringt es auch nichts, dass tausende Kinder und Jugendliche freitags die Schule schwänzen.

Kevin ist eine fiktive Figur. Ich denke aber, dass gut 75%, wenn nicht sogar mehr, alle kleine Kevins sind, die diese Demos schlichtweg nur benutzen, um nicht im schnöden Klassenraum abhängen zu müssen, um zu lauschen, was Herr Ries oder Darwin sich früher alles so ausgedacht haben. Im schlimmsten Fall aber haben wir unserer Kinder schon derart versaut, dass sie sich Bewegungen anschließen, zu denen sie (noch) nicht stehen wollen, es aber trotzdem tun, aus Angst, außen vor zu bleiben. Ich fände es viel wichtiger, wenn die Kinder in der Schule lernen, was zum Beispiel unser Fleischkonsum für gravierende Auswirkungen auf unser Klima hat. Dass der eine To-Go-Becher es eben doch ausmacht, dass regional immer besser ist, dass das Reisen auch nicht immer umweltschonend ist und und und. Das würde unter Umstanden mehr bewirken, als Woche für Woche jeden Freitag die Schule zu schwänzen. Den Freitag könnte man an den Schulen zum Umwelttag machen.

Ich würde die Demos einfach mal auf den Samstag verlegen, um zu schauen, welche Auswirkung das auf die Teilnehmerzahl hat. Weil – wie gesagt – wenn einem etwas wirklich wichtig ist – spielt der Wochentag wahrhaftig keine Rolle.

4 Gedanken zu “Saturdays for future

  1. so ist es leider. viele von denen, die bei dieser bewegung mitmachen, sind absolut unreif und kapieren gar nicht den ernst der lage – hauptsache, es ist eine geile sache. so war es bereits bei den 68ern. ich erinnere mich noch gut: die meisten waren nur mitläufer… ein paar jahre später waren sie fertig mit ihrem bwl-studium und wurden zu spießern, die im besten falle noch grün wählten. umso größer eine bewegung wird, desto größer wird auch ihre verunreinigung… zu sehen war das z.b. auch bei greenpeace. nichts neues also, sondern vorhersehbar.

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  2. Exzellent! Das hab ich befürchtet. Hoffentlich bewirkt das bei den Teilnehmern zumindest allmähliche Denkanstöße, die sie dann auch im Familienkreis umsetzen können. Und wär toll, wenn während der Demos Umwelt-Tipps rund gingen. Dann ist nämlich out, wer nicht wenigstens ein bisschen was umsetzt.

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